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07.04.2017

"Draußen umgeschaut" April / Mai 2017 - Die Türkentaube

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ Tier- oder Pflanzenarten in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Ihr Name weist auf ihre Herkunft hin: Die Türkentaube (Streptopelia decaocto) stammt aus dem Balkengebiet und hat sich von Südosten her in einer für biologische Verhältnisse ungeahnten Geschwindigkeit ausgebreitet. In Bayern gelang der erste Brutnachweis für diese Vogelart im Jahr 1944 in Nürnberg. Seither hat sich die hübsche Taube in Bayern außerhalb der Alpen fast flächendeckend und mit über längere Zeit stabilem Bestand verbreitet. Sie bevorzugt Höhenlagen bis etwa 500 m. So ist sie bei uns im Landkreis Lindau vor allem im Umkreis des Bodensees zu finden.

Die elegante, mittelgroße Taube kann über 30 cm lang werden. Ihr Gefieder ist auf den ersten Blick recht einheitlich, doch mit Farbverläufen von weißlich über hell beige bis grau gefärbt. Leicht zu erkennen sind die erwachsenen Vögel an einem schmalen schwarzen Band mit feiner weißer Umrandung im Nacken. Die Türkentaube ist ein Jahresvogel, was bedeutet, dass sie das ganze Jahr bei uns verbringt. Sie ernährt sich überwiegend pflanzlich mit Früchten, Samen, Keimlingen und Blätter aber auch Zivilisationsabfällen aller Art. Im Winter kann man sie auch an Futterstellen im Garten beobachten. Sie trinkt gerne und viel Wasser, im Winter frisst sie Schnee.

Die Türkentaube ist zu einem typischen Vogel unserer Siedlungen geworden. Sie lebt gerne an alten Baumbeständen beispielsweise in Friedhöfen, Parks, Alleen oder naturnahen Gärten. Diese Vogelart brütet mit drei bis fünf Bruten von März bis in den Oktober hinein. Sie singt im dreisilbigen Balzruf „gu-guu-gu“, das aus der Ferne an einen Kuckuck erinnern kann. Das Männchen zeigt dem Weibchen mit Rufen und besonderen Balzflügen gute Nistplätze, meist in Bäumen. Er bringt Zweige, Gras und Wurzeln aber auch andere Dinge wie Federn, Wolle, Seil- oder Drahtstücke in das Nest ein. Das Weibchen baut dann ein einfaches Nest, in das nur zwei Eier gelegt werden. Nach zwei Wochen schlüpfen die Jungen. Sie werden von ihren Eltern mit einer „Kropfmilch“, einem im Kropf vorverdauten Brei, gefüttert. Nach etwa drei Wochen werden sie flügge. Nach dem Verlassen des Nests werden die Jungen mehrere Wochen von den Eltern begleitet und zusätzlich mit Nahrung versorgt.

Aus den letzten liegen Jahren Berichte vor, dass die Türkentaube abnimmt und insbesondre größere Städte als Brutgebiet wieder aufgibt. Dies kann unter anderem am Verschwinden vom Bäumen oder der zunehmenden Versiegelung liegen, was zum Verlust von Brutplatzen und zu Nahrungsengpässen führt. Dies trifft aber nicht nur die Türkentaube, sondern auch viele andere Vogelarten, die in unseren Dörfern und Städten leben.

 

Autor/in: Eva Stangler, Michaela Berghofer
Quelle: Bezzel, E. et al (2005) Brutvögel in Bayern. Verbreitung 1996-1999, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Rö

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