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19.05.2016

Bäume pflanzen für die Bachmuschel

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ monatlich eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Der Schwarzenbach, der als Grenzbach zwischen Bayern und Baden-Württemberg fließt, ist oberflächlich betrachtet recht unscheinbar. Doch der Schein trügt. In ihm verbirgt sich etwas Außergewöhnliches: eine noch gut erhaltene Bachmuschelpopulation. Das ist deshalb so besonders, weil diese Muscheln heute vom Aussterben bedroht sind. Dabei waren die Bachmuscheln früher so zahlreich, dass man sie an Hühner und Schweine verfüttert hat. Im Regierungsbezirk Schwaben gibt es sie sonst nur noch an wenigen Gewässern wie der Günz im Unterallgäu.

Die Bachmuschel, die bis zu 30 Jahre alt werden kann, benötigt saubere naturnahe Gewässer mit sandig-kiesigem Untergrund. Damit der Nachwuchs der Bachmuschel gedeihen kann, müssen Wirtsfische wie beispielsweise der Döbel und die Elritze im Bach vorkommen. Die winzigen Larven der Muschel heften sich nämlich für mehrere Wochen an die Kiemen ihrer Wirtsfische, wo sie sich zur Jungmuschel umzuwandeln. Danach vergraben sie sich im Sediment, wo sie über mehrere Jahre zur erwachsenen Muschel heranwachsen. Da es schon schwierig genug ist als Muschel alt zu werden, müssen wir dafür sorgen, dass die Gegebenheiten am Bach sich für das Überleben der Tiere eignen und verbessern. Dabei helfen können beispielsweise schattenspendende Bäume und Gehölze, weil das Wasser dort kühler und sauerstoffreicher ist. Solche Gehölze kommen aber nicht nur der Bachmuschel, sondern auch Fischen und anderen kleineren Bachlebewesen zu Gute. Wurzelstöcke alter Bäume dienen ihnen beispielsweise als Versteck. Zudem stabilisieren große Bäume das Bachufer, so dass weniger Erde in das Gewässer gelangt und es so weniger verschlammt.

Zum Schutz der Bachmuscheln wurden Anfang April in Trägerschaft des Landschaftspflegeverbands Lindau-Westallgäu e. V. gebietsheimische Gehölze am Ufer des Schwarzenbachs gepflanzt. Insgesamt wurden 270 Bäume und Sträucher, hauptsächlich Schwarzerlen und einige Traubenkirschen, gesetzt. Durchgeführt wurde die Bepflanzung in Zusammenarbeit mit Herrn Dipl.-Ing. Armin Woll und Landwirten, die durch den Maschinenring Lindau e. V. vermittelt wurden. Die Kosten dieser Maßnahme werden vom Freistaat Bayern über die Bayerischen Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien gefördert. Der Landschaftspflegeverband finanziert den Eigenanteil.

Quellen/Literatur:

Text: Eva Stangler /Fotos von Eva Stangler/Koordinationsstelle für Muschelschutz, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie, TU München

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