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06.06.2016

"Draußen umgeschaut" Juni 2016 - Die Rauschbeere

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ monatlich eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Diesen Monat stellen wir einen sommergrünen Zwergstrauch, die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) vor. Die Rauschbeere gehört wie die Heidel- oder Preiselbeere zu den Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Der häufig große Bestände bildende Strauch wird bis 0,8 m hoch. Seine Blätter sind eiförmig, etwas ledrig, blaugrün gefärbt und bereift. Die Rauschbeere blüht von Mai bis Juli mit glockenförmigen, weiß bis rosa gefärbten Blüten. Sie verdankt ihre Namen „Rausch“- oder „Trunkelbeere“ der angeblich berauschenden Wirkung der Beere. Das ist allerdings irreführend, denn die Beeren selbst sind ungiftig. Eine selten auftretende Berauschung ist wohl auf einen Pilz, der an den Beeren wachsen kann, zurückzuführen. Die ab August reifenden Früchte der Rauschbeere ähneln denen der Heidelbeere. Sie sind blau und bereift, aber etwas größer. Der Saft der Beeren ist farblos. Im Herbst verfärbt sich das Blattwerk der Rauschbeere vor dem Laubfall rot.

Mancherorts wird die Pflanze auch „Moorbeere“ genannt. Dies verweist auf ihre wichtigsten Lebensräume, das Hochmoor und die Hochmoorwälder. In höheren Lagen ist die Rauschbeere auch in Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen zu finden. Der Strauch gedeiht auf sauren und sehr nährstoffarmen Böden. Er kommt vom Tiefland bis in die Alpen auf über 2.000 m vor. Die Art ist in Nord- und Mitteleuropa, im Norden Asiens als auch in Nordamerika verbreitet. Hier bei uns im Landkreis ist sie noch oft zu finden.

Die Rauschbeere besitzt große Bedeutung für einen seltenen und vom Aussterben bedrohten Tagfalter, den Hochmoorgelbling. Die Larven dieses Schmetterlings nutzen ausschließlich die Rauschbeere als Futterpflanze. Aber auch der Mensch hat die Rauschbeere genutzt: die getrockneten Beeren und Blätter wurden gegen Durchfall und Blasenleiden gegessen oder als Tee aufbereitet getrunken. Die Blätter der Pflanze wurden auch zum Gerben von Fellen verwendet.

Quelle: Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 2, IHW-Verlag, Eching Schnei

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